Wärmepumpe im Altbau und Neubau: Was ist möglich – und was lohnt sich?
"Wärmepumpen funktionieren nur im Neubau" – dieser Irrglaube hält sich hartnäckig, ist aber längst überholt. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen erzeugen Vorlauftemperaturen bis 75 °C und können problemlos mit bestehenden Heizkörpern betrieben werden. Allerdings: Die Effizienz sinkt mit steigender Vorlauftemperatur. Dieser Ratgeber erklärt ehrlich, was in Ihrem Gebäude möglich ist – und was Sie investieren müssen, um eine Wärmepumpe wirklich wirtschaftlich zu betreiben.
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Das Wichtigste in Kürze: • Im Neubau: Standard-WP mit 35–45 °C VL, JAZ 4,0–5,0 – ideale Bedingungen • Im Altbau mit Fußbodenheizung: Meist problemlos mit Standard-WP • Im Altbau mit Heizkörpern: HT-WP bis 70–75 °C nötig (oder Heizkörper tauschen) • Faustregel: JAZ sinkt um ca. 2,5 % pro 1 °C mehr Vorlauftemperatur • Hydraulischer Abgleich: Pflicht für BEG-Förderung, oft auch nötig für effizienten Betrieb • Vaillant aroTHERM plus (75 °C), Viessmann Vitocal 250-A (70 °C), Samsung HT Quiet (70 °C) |
Wärmepumpe im Neubau – die idealen Bedingungen
Ein Neubau nach aktuellem GEG-Standard ist für den Wärmepumpenbetrieb optimiert: Gute Dämmung, geringe Heizlast, Fußbodenheizung mit niedrigen Vorlauftemperaturen – das sind perfekte Voraussetzungen. Hier arbeitet jede Luft-Wasser-Wärmepumpe effizient, JAZ-Werte von 4,0 und mehr sind Standard.
• Heizlast typisch: 30–50 W/m² Wohnfläche
• Benötigte Vorlauftemperatur: 30–40 °C
• JAZ: 4,0–5,0 je nach Modell und Klimastandort
• Empfehlung: Standard-WP genügt – kein HT-Modell nötig
• Modelle: Buderus WLW186i, Vaillant aroTHERM Split, Wolf FHA
Wärmepumpe im Altbau – was wirklich möglich ist
Im Altbau ist die Situation differenzierter. Entscheidend sind zwei Fragen: Welche Heizflächen sind vorhanden – und welche Vorlauftemperatur benötigen diese, um das Gebäude ausreichend zu beheizen?
Altbau mit Fußbodenheizung – kein Problem
Wenn ein Altbau bereits eine Fußbodenheizung hat (z. B. durch frühere Sanierung), sind die Bedingungen ähnlich gut wie im Neubau. Eine Standard-Wärmepumpe mit Vorlauftemperatur bis 50–55 °C reicht aus.
Altbau mit Heizkörpern – drei Wege
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Weg |
Beschreibung |
Investition |
JAZ |
Empfehlung |
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HT-Wärmepumpe (bis 75 °C) |
Wärmepumpe ersetzt Kessel 1:1, Heizkörper bleiben |
Gering (kein Umbau) |
2,5–3,2 |
Schnell, einfach – Effizienz eingeschränkt |
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Heizkörper tauschen |
Größere Heizkörper → VL auf 50–55 °C senkbar |
Mittel (300–600 €/HK) |
3,3–3,8 |
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
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Fußbodenheizung nachrüsten |
Trockenbausystem auf bestehendem Boden |
Hoch (5.000–15.000 €) |
4,0–4,5 |
Maximale Effizienz, größter Umbau |
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✓ Praxis-Tipp Heizkörper-Tausch als günstigstes Upgrade: Wer nur die Heizkörper in den meist genutzten Räumen (Wohnzimmer, Schlafzimmer) gegen größere Flachheizkörper tauscht, kann die Vorlauftemperatur oft von 70 °C auf 55 °C senken – das verbessert die JAZ um ca. 35 % bei überschaubaren Kosten. |
Heizlastberechnung – die Basis für die richtige Auslegung
Vor dem Kauf einer Wärmepumpe sollte immer eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchgeführt werden. Sie ermittelt den tatsächlichen Wärmebedarf des Gebäudes bei Normaußentemperatur (-12 °C bis -16 °C je nach Klimazone) und ist Grundlage für die richtige Gerätedimensionierung.
Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufig ein und aus – das schadet dem Kompressor und senkt die Effizienz. Eine unterdimensionierte Anlage kommt bei Extremkälte nicht nach – ein integrierter Heizstab übernimmt dann, verbraucht aber deutlich mehr Strom.
• Für ein 150-m²-EFH aus den 1980er Jahren: Heizlast typisch 10–14 kW
• Nach Außendämmung (WDVS): Heizlast sinkt auf 7–10 kW
• Nach Dämmung + Fensterwechsel: 5–8 kW
• Die Wärmepumpe sollte ca. 90–100 % der Heizlast abdecken
Hydraulischer Abgleich – Pflicht und Effizienzgewinn
Der hydraulische Abgleich stellt sicher, dass alle Heizkörper mit der richtigen Wassermenge versorgt werden – und nicht einzelne Heizkörper zu viel, andere zu wenig Wärme bekommen. Er ist für die BEG-Förderung gesetzlich vorgeschrieben und hat einen erheblichen Effekt auf die Effizienz: Oft lässt sich die Vorlauftemperatur nach einem Abgleich um 5–8 °C senken.
Empfohlene Modelle nach Gebäudetyp
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Gebäudetyp |
Empfohlenes Modell |
Vorlauf |
Begründung |
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Neubau, FBH |
Buderus WLW186i / Vaillant aroTHERM Split |
35–45 °C |
Höchste Effizienz, Testsieger |
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Altbau, FBH vorhanden |
Buderus WLW186i / Wolf CHA |
40–55 °C |
Standard-WP reicht aus |
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Altbau, Heizkörper (HK getauscht) |
Vaillant aroTHERM plus / Viessmann Vitocal 250-A |
50–60 °C |
Guter Effizienz-Kompromiss |
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Altbau, Heizkörper (keine Änderung) |
Vaillant aroTHERM plus (75°C) / Samsung HT Quiet (70°C) |
65–70 °C |
HT-WP zwingend, JAZ eingeschränkt |
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Vaillant-System vorhanden |
Vaillant aroTHERM plus |
bis 75 °C |
Systemintegration, myVaillant-App |